Sonderausstellung


Sonderausstellung 14.09.2019 bis 31.05.2020: Geschichte der Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten

Museum Erding sucht Zeitzeugen und Zeitzeugnisse von Flucht und Vertreibung

Das haupt- und ehrenamtliche Team des Museums Erding bereitet derzeit die kommende Sonderausstellung mit dem Titel „Vom Gehen (müssen) und Ankommen (dürfen): Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Stadt und Landkreis Erding“ vor. Sie wird am 14. September 2019 zum „Tag der Heimat“ eröffnet werden, welcher jährlich bundesweit von den Landsmannschaften begangen wird.

Anlass der Sonderausstellung ist das 70-jährige Gründungsjubiläum der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Kreisgruppe Erding. Thematisch widmet sich die Ausstellung aber nicht nur den Geflüchteten und Vertriebenen aus Böhmen und Mähren, sondern allen Deutschen, die in Folge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verloren hatten. Dazu gehören auch die Einwohner der ehemaligen preußischen Territorien, wie z. B. Schlesien, Ost- und Westpreußen, sowie die deutschstämmigen Minderheiten in Ungarn, Rumänien, dem ehemaligen Jugoslawien, in Russland oder den heutigen baltischen Ländern.

Die angegebene Gesamtzahl der deutschen Heimatvertriebenen schwankt, es wird, je nach Quelle, von etwa 12 bis 14 Millionen Menschen ausgegangen. Der Exodus begann im Herbst 1944 in Ostpreußen als Flucht vor der Roten Armee und gipfelte ab 1945 in gezielten, staatlich angeordneten Vertreibungen, die in manchen osteuropäischen Ländern teilweise bis 1950 andauerten. Ungefähr zwei Millionen kamen dabei zu Tode.

In Stadt und Landkreis Erding kamen die ersten Vertriebenen bereits im November 1944 an. Es waren deutschstämmige Siedler der ungarisch-serbischen Region Batschka. Ab 1945 und vor allem zur Jahreswende 1945/1946 trafen Menschen aus allen sonstigen Vertreibungsgebieten in Erding ein. Durch Flucht und Enteignung hatten sie so nahezu ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die hiesigen Behörden waren gefordert, notdürftig Unterkünfte und Verpflegung bereitzustellen. Doch nicht überall hieß man die Neuankömmlinge gleich willkommen.

Bis 1950 waren in Stadt und Landkreis Erding insgesamt über 16.000 Heimatvertriebene angekommen. Dies entsprach einem Bevölkerungsanteil von knapp 22 Prozent. Der wirtschaftliche Aufschwung der 1950er und 1960er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland war letztlich auch dem unermüdlichen Fleiß der zahlreichen Neubürger zu verdanken.

Anhand von ausgewählten Biografien greift die Ausstellung einzelne Schicksale auf und zeigt, wie nach anfänglichen Jahren der Entbehrung die Neuorientierung gelang. Auch der Umgang mit Heimatverlust und Heimweh wird reflektiert. Hierbei waren und sind die Landsmannschaften der Vertriebenengruppen wichtige Ankerpunkte und Identifikationsträger in der neuen Heimat Erding.

Rund um die Sonderausstellung soll ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Vorträgen, Zeitzeugenberichten, Musik- und Tanzveranstaltungen sowie „Kulinarisches aus der Heimat“ angeboten werden. Eine weitere wichtige Facette wird die Zusammenarbeit mit den Schulen aus Stadt und Landkreis Erding bilden, um auch die junge Generation einzubinden.

Für die Ausstellung sucht das Museum Erding noch Zeitzeugen aus den Vertreibungsgebieten West- und Ostpreußen, Pommern und Rumänien, die über ihre Schicksale und den Neuanfang im Erdinger Land berichten wollen. Wertvoll wären auch Informationen zum Flüchtlingslager Eichkofen oder die Sicht der Einheimischen auf die Neuankömmlinge bzw. das Verhältnis zur amerikanischen Militärregierung oder den amerikanischen Fliegerhorst-Soldaten.

Gerne werden auch noch Objekte als Leihgaben für die Ausstellung angenommen, z. B. Kleines wie Fotografien oder große Dinge, wie Fluchtgepäck, Trachten oder auch Mitbringsel aus der alten Heimat.

Melden Sie sich bitte bis Ende März bei Harald Krause, Museumsleiter, oder Elisabeth Boxberger, Sammlungsleiterin, unter Telefon-Nr. 08122/408-158 oder unter Email museum@erding.de

Schlesische Kinder beim sog. Sommersingen, Erding um 1950. Mit bunten Laetare-Stecken ziehen sie am dritten Sonntag vor Ostern singend durch die Straßen und kündigen die fruchtbare Jahreszeit an. (Bildarchiv Museum Erding)

Programmheft zum „Tag der Heimat am 3. August 1952 in Erding“ mit Schönem Turm und Wappen Schlesiens und des Sudetenlands. Dazu wurde eine „Leistungsschau der Gewerbe und Betriebe Heimatvertriebener“ gezeigt. (Bildarchiv Museum Erding)

Die Sonderausstellung können Sie zu unseren Öffnungszeiten Dienstag - Sonntag von 13 - 17 Uhr besuchen!